China gilt als Wiege des Tees – und jede Region erzählt ihre eigene Geschichte in der Tasse. In diesem Beitrag reisen wir nach Yunnan, Fujian und Zhejiang und entdecken, welche Tee-Schätze dort entstehen und wie sie schmecken.
Der Teeanbau in China entstand vor etwa 5.000 Jahren in der Region Yunnan als medizinische Pflanze und Getränk. Die Legende vom Kaiser Shennong (ca. 2737 v. Chr.) beschreibt, wie Teeblätter zufällig in kochendes Wasser fielen und vitalisierende Wirkungen zeigten.
China produziert Tee in über 20 Provinzen, wobei die großen Regionen durch Klima, Boden und Tradition geprägt sind. Traditionell gliedern sich die Anbaugebiete in vier Hauptregionen: Südwesten, Südchina, südlich des Jangtse und nördlich des Jangtse.
China ist die Geburtsstätte des Tees
Südwesten (Xinan): Ursprung und Tiefe
Diese Region umfasst Yunnan, Sichuan und Guizhou mit hohen Bergen und alten Teebäumen. Bekannte Tees sind Pu-Erh (erdig, lagerfähig) und kräftiger Dian Hong Schwarztee aus Yunnan.
Yunnan – Heimat von Pu-Erh und kräftigem Schwarztee
Yunnan gilt als eine der spannendsten Teeprovinzen Chinas und ist weltberühmt für Pu-Erh und charaktervolle Schwarztees. Die Region verbindet uralte Teebäume, große Höhenlagen und eine lange Handelstradition rund um Tee.
Yunnan als Teeregion
Yunnan liegt im Südwesten Chinas und grenzt unter anderem an Vietnam, Laos und Myanmar, wodurch Tee seit Jahrhunderten über Handelsrouten verbreitet wurde.
In den Bergen Yunnans wachsen einige der ältesten Teebäume der Welt, oft in waldähnlichen Strukturen mit hoher Biodiversität.
Pu-Erh: Der berühmteste Tee Yunnans
Pu-Erh ist ein postfermentierter Tee, der traditionell aus großblättrigen Teepflanzen Yunnans hergestellt und oft zu Fladen, Ziegeln oder Nestern gepresst wird.
Man unterscheidet rohen Pu-Erh (Sheng) und gereiften Pu-Erh (Shu); beide können über Jahre reifen und entwickeln mit der Zeit tiefes, teils erdig-ledriges Aroma.

Schwarzer Tee aus Yunnan (Dian Hong)
Yunnan-Schwarztee, oft Dian Hong genannt, ist für seine goldenen Knospen, weichen Tannine und malzig-schokoladige Noten bekannt.
Diese Tees wirken in der Tasse vollmundig, wärmend und werden häufig als besonders zugänglich für Einsteiger in chinesischen Schwarztee beschrieben.
Historische Bedeutung und Teewege
Aus Yunnan wurden bereits in der Antike Tees als Tribut an den chinesischen Kaiser geschickt, was die frühe Bedeutung der Region für die Teekultur zeigt.
Die berühmte Tee-Pferde-Straße verband Yunnan mit Tibet und anderen Regionen; Pu-Erh wurde auf diesen Routen als kompaktes Transportgut gehandelt.
Yunnan im modernen Teemarkt
Heute ist Yunnan ein Synonym für hochwertige Pu-Erh-Spezialitäten und charakterstarke Schwarztees, die weltweit von Kennern gesammelt werden.
Neben traditionellen Gushu-Tees von alten Bäumen entstehen zunehmend moderne Interpretationen und Single-Origin-Tees aus klar definierten Bergregionen.
Südchina (Huanan): Aromatische Vielfalt
Fujian, Guangdong und Guangxi liefern feuchte, subtropische Bedingungen für Oolongs wie Tie Guan Yin, weißen Tee (z. B. Bai Hao Yin Zhen) und Jasmintee.
Huanan (Südchina) umfasst die Provinzen Fujian, Guangdong und Guangxi und ist bekannt für subtropisches Klima, hohe Luftfeuchtigkeit und eine reiche Vielfalt an aromatischen Tees.
Fujian: Herz der Oolong- und Weißtee-Kultur
Fujian produziert rund 80% der chinesischen Oolongs, darunter Tie Guan Yin (Anxi) mit floralen, cremigen Noten und Wuyi-Felsentees (Da Hong Pao) mit mineralisch-gerösteten Aromen.
Berühmte weiße Tees wie Bai Hao Yin Zhen (Silberneedle) aus Fuding: zart, süßlich, mit Honig- und Heunoten.
Auch Lapsang Souchong (rauchiger Schwarztee) und Jasmintee entstammen dieser Region.
Fujian: Aromenwelten aus Südchinas Tee-Hügeln
Guangdong und Guangxi: Oolongs und Spezialitäten
Guangdong liefert Oolongs wie Fenghuang Dancong (Phönix-Dancong) mit fruchtig-blumigen Profilen sowie klassische Schwarztees.
Guangxi ist bekannt für Liu Bao (postfermentierter Schwarztee) mit süßlich-würzigem, lagerfähigem Charakter und frühe weiße Tees.
Die Region eignet sich durch feuchtwarmes Klima perfekt für halbfermentierte Tees mit komplexer Aromatik.
Terroir und Besonderheiten
Höhenlagen von 200–1500 m, neblige Hügel und vulkanische Böden fördern intensive Düfte und Langlebigkeit der Blätter bei Mehrfachaufgüssen.
Traditionell handgepflückt, oft von Familienbetrieben.
Südlich des Jangtse (Jiangnan): Grüntee-Hochburg
Zhejiang, Anhui, Hunan und Jiangxi dominieren mit frischen Grüntees wie Longjing (Zhejiang), Huang Shan Mao Feng (Anhui) oder Keemun Schwarztee. Diese Region produziert etwa zwei Drittel des chinesischen Tees.

Jiangnan (auch Jangtse-Region oder „südlich des Jangtse“ genannt) ist Chinas grüßte Teeanbauregion und produziert rund zwei Drittel des gesamten chinesischen Tees. Sie umfasst die Provinzen Zhejiang, Anhui, Hunan, Jiangxi sowie Teile von Jiangsu und ist durch mildes, feuchtes Klima, nebelige Hügel und rote Podsolböden geprägt, die frische, vegetale Aromen fördern.
Zhejiang: Longjing und die Westseeberge
Zhejiang gilt als Hochburg des Grüntees mit dem berühmten Longjing (Drachenbrunnen) aus den Hügeln westlich des Westsees – nussig, kastanienartig, mit süßlicher Frische. Weitere Highlights sind Kanan-Cha und zarte Bi Luo Chun-Varianten aus höheren Lagen.
Anhui: Huang Shan und Keemun
Anhui liefert den legendären Huang Shan Mao Feng („Pelzspitzen der Gelben Berge“) – blumig, lang nachhaltig – sowie Taiping Houkui und den malzigen Keemun-Schwarztee, der für seine beerigen Noten weltberühmt ist.
Hunan und Jiangxi: Wolken-Nebel-Tees
Hunan produziert den mystischen Yunwu („Wolken-Nebel-Tee“) mit süßlicher Umami-Note, während Jiangxi mit Gunpowder (Perlen-Tee) und robusten Grüntees punktet.
Terroir und Besonderheiten
Die Region profitiert von Schutz vor Frost durch den Jangtse, Frühlingsnebeln und mehreren Ernten pro Jahr, was leichte, saisonale Grüntees mit hoher Vielfalt ermöglicht.
Traditionell kleinbäuerlich, handgepflückt.
Nördlich des Jangtse (Jiangbei): Robuste Sorten
Henan, Shaanxi und Shandong erzeugen würzigen Grüntee (z. B. Xinyang Maojian) und gepressten Brick-Tee für den Export.
Jiangbei („nördlich des Jangtse“) ist die nördlichste der vier großen Teeregionen Chinas und umfasst Provinzen wie Henan, Shaanxi und Shandong. Diese kühleren, trockeneren Gebiete mit sandigen Böden produzieren robuste, würzige Tees, die oft für Export und Pressungen geeignet sind.
gepresster Brick-Tee
Henan: Xinyang Maojian
Henan ist bekannt für den Xinyang Maojian, einen Premium-Grüntee mit schlanken, spitzen Blättern und intensivem, blumig-würzigem Aroma – frisch, leicht geröstet und langlebig. Die Region profitiert von Bergnebeln und produziert Tees mit hoher Hitzebeständigkeit.
Shaanxi: Qin Ba Wu und Zisang
Shaanxi liefert den Qin Ba Wu („Fünf Wolken aus Qinba“) mit süßlicher, blättrig-nussiger Note sowie Zisang („Pflanzentee“) – eine Mischung aus Tee und Kräutern für würzigen Charakter. Die höheren Lagen sorgen für erdige, mineralische Tiefe.
Shandong und weitere: Brick-Tee und Exportvarianten
Shandong erzeugt gepressten Brick-Tee für langen Transport sowie robuste Grüntees mit grasig-würziger Schärfe. Die Region ist weniger für Feinheiten, sondern für haltbare, alltägliche Tees bekannt.
Terroir und Besonderheiten
Kühleres Klima und geringere Niederschläge erzeugen kompakte Blätter mit starker Resistenz; ideal für Press-Tees wie Fu Brick aus Hunan-Übergängen. Perfekt als Kontrast zu den südlichen Regionen.
Jede Region formt einzigartige Aromen durch Terroir (Klima, Boden, Höhe) den Charakter eines Tees ähnlich wie beim Wein
Wie du den passenden China-Tee für dich findest
- Magst du kräftig, warm, erdig? → Yunnan (Pu-Erh, Schwarzer Tee)
- Magst du komplex, aromatisch, mit vielen Nuancen? → Fujian-Oolongs
- Magst du frisch, leicht, belebend? → Grüntees aus Zhejiang
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